Vor- und Nachteile des Online Coaching

Online-Coaching ist nicht erst ein Format seitdem die weltweite Pandemie uns in unsere eigenen vier Wände zurückwirft. Coaching auf virtueller Distanz ist schon lange Zeit eine gern genutzte Form der Beratung. Aber in wie weit kann Online-Coaching dem gerecht werden, was eine Face-2-Face-Beratung erfordert? Welche Vorteile, aber auch welche Grenzen weißt das virtuelle Zusammentreffen zwischen Coach*in und Coachee auf?

 

Online-Coaching ist nicht erst ein Format seitdem die weltweite Pandemie uns in unsere eigenen vier Wände zurückwirft. Coaching auf virtueller Distanz ist schon lange Zeit eine gern genutzte Form der Beratung. Aber in wie weit kann Online-Coaching dem gerecht werden, was eine Face-2-Face-Beratung erfordert? Welche Vorteile, aber auch welche Grenzen weißt das virtuelle Zusammentreffen zwischen Coach*in und Coachee auf?
Online-Coaching ist im heutigen digitalen Zeitalter nichts Besonderes mehr. So bieten viele Coach*innen mittlerweile Onlinecoaching zumindest als Ergänzung zum Coachingprozess an. Einige Coachingnetzwerke haben dafür schon ein eigenes Tool entwickelt (Studie Middendorf). Coachees, welche in einer digitalisierten Welt aufwachsen, erwarten von einem Coaching, dass dieses auch virtuell möglich gemacht wird (Berninger-Schäfer 2018). Coach*in und Coachee entscheiden gemeinsam, ob sie diese Möglichkeit in den Coachingprozess einbauen. Aber unter welchen Bedingungen kann ein Online-Coaching überhaupt stattfinden? Wenn die Entscheidung für das Coaching mit Hilfe virtueller Kommunikationsmedien gefallen ist, muss sichergestellt werden, dass eine solide Internetverbindung verfügbar ist (Berninger-Schäfer 2018). Die Mikrofon- und Kameraqualität muss getestet und geeignet sein, denn ohne Präsenzdynamik des Gegenübers und einer unzureichenden Tonqualtität können (re-)aktionen von Coach*in und Coachee schnell falsch wahrgenommen oder interpretiert werden. Auch eine schlechte Internetverbindung kann zu einer Zeitverzögerung der Reaktionen führen, welches den Prozess sehr entzerren kann. Der sichere Umgang mit dem gewählten Programm sollte beiderseits vorhanden sein. Für den Fall, dass die Internetverbindung abbricht, oder andere technischen Schwierigkeiten auftreten, sollte der*die Coach*in und der*die Coachee eine andere Kommunikationsmöglichkeit ausmachen (z.B. über Telefon oder E-Mail). Ob der Coachingprozess synchron oder asynchron durchgeführt werden soll, wird anhand der Sinnhaftigkeit und der Effektivität bemessen. Bei asynchronen Beratungssitzungen stellt der*die Coach*in online Materialien und möglicherweise vorab aufgenommene Videos bereit.

Die Vorteile des Online Coaching sind vielseitig. Der wohl am häufigsten genannte Vorzug ist die Unabhängigkeit von Zeit und Ort. Coach*in und Coachee müssen sich nicht im selben Raum befinden, um eine produktive Coachingsitzung abzuhalten. Ein*e Coach*in kann dem*der Coachee Dokumente und sogar Videos in einem Online Tool zur Verfügung stellen. Das Coaching kann so auch ohne Termin stattfinden. Es ermöglicht ein Zusammentreffen von Coach*in und Coachee bei akutem Bedarfsfall, welches keiner langen Reise- oder Terminplanung bedarf. Auch simultane Visualisierungen von Gesprächsinhalten oder zur Edukation sind mit einer Vielzahl digitaler Tools möglich. Der*die Coachee befindet sich bei einer Coaching-Sitzung in einer vertrauten Umgebung, sei es im eigenen Büro oder vielleicht sogar zu Hause. Dieses kann für den*die Coachee die Arbeit mit dem*der Coach*in erleichtern. Ein weiterer Vorteil des virtuellen Coachings ist, dass bei Gruppensitzungen oder Teamcoachings die Terminkoordination möglicherweise erleichtert ist, da niemand eine Anreise zu dem Coachingort hat.

Die Grenzen, die das Online Coaching aufweisen kann, sind zu nennen. Die virtuelle Coachingsitzung schränkt das phänomenologische Arbeiten, also die oft subtile und nonverbale Kommunikation „im Moment“ein, welches den Coachingprozess erschweren kann. Bei sehr emotionalen und persönlichen Themen kann die virtuelle Beschaffenheit dem Coaching Grenzen setzen. Der*die Coach*in kann die Körpersprache des*der Coachee nicht so gut ausmachen, weshalb es schwer sein kann eben auf diese einzugehen. Die Konzentration in einer Online-Sitzung ist nicht so konsistent, wie in einer Face-2-Face Sitzung, weshalb die Sitzungen kürzer ausfallen müssen, um produktiv zu sein. Die Umgebung des*der Coachee, aber auch das Video, kann sie*ihn sehr stark ablenken. Für eine*n Coach*in kann das Online-Coaching dazu führen, dass die Erwartungshaltung an ihre*seine Verfügbarkeit deutlich erhöht ist, da die Anreise wegfällt (Berninger-Schäfer 2018). Außerdem sind raumorientierte Methoden des Coachings – wie Aufstellungsarbeiten oder Soziometrien – nur im sehr begrenzten Maße möglich.

Wenn Coach*in und Coachee sich für die Option des Online-Coaching entscheiden, sei es freiwillig, oder bedingt durch eine Pandemie, müssen auch hier die grundlegenden Eigenschaften eines Coachingprozesses beibehalten werden (Bache 2018). Es kann aber eine gute Ergänzung zu der gemeinsamen Arbeit sein.

Die im Text erwähnte Studie ist hier zu finden.