Modellprojekte stärken und unterstützen

Im Gespräch mit Christian Schmidt

Über Christian Schmidt, Berater und Coach

Christian Schmidt war nach dem Abschluss seines wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Studiums zunächst in der Forschung und Wissenschaft und im Anschluss für die strategische Unternehmensentwicklung eines Dienstleistungskonzerns und zuletzt als Geschäftsführer eines Personaldienstleistungsunternehmens tätig. Seit nunmehr 12 Jahren ist Christian Schmidt Geschäftsführer eines eigenen Beratungsunternehmens und in der Ausbildung, sowie als Universitätsdozent in Hamburg und Berlin aktiv. Er absolvierte das internationale MBA Programm Changemanagement, ist ausgebildeter systemischer Berater, Coach und Therapeut und hat vielfältige internationale Weiterbildungen im Bereich Organisation, Beratung und Strategie absolviert. Christian Schmidt arbeitet für Unternehmen, Verbände und kommunale Organisationen und begleitet Menschen, Teams und Organisationen in den Bereichen Changemanagement, systemische Organisationsentwicklung, Coaching & Leadership.

Christian Schmidt ist einer der Dozenten der Fortbildungsreihe „Gelingende Kommunikation in der Projektarbeit“ der Qualitätswerkstatt und hat im März 2017 das erste Modul zum Thema „Kommunikation im Projektteam und in der Organisation“ ausgestaltet und durchgeführt. Außerdem ist er für die Qualitätswerkstatt als externer Fachberater aktiv.

Im Gespräch mit Christian Schmitdt haben wir uns zu den wichtigsten Aspekten der Kommunikation im Team und in der Organisation ausgetauscht.

Qualitätswerkstatt Modellprojekte: Herr Schmidt, Sie haben einen vielfältigen Lebenslauf und tiefgreifende Berufserfahrungen als Organisations- und Projektberater. Was hat Sie dazu bewogen für einen Tag aus der Rolle des Beraters zu schlüpfen und den Dozentenauftrag für die Fortbildungsreihe zum Thema Kommunikation in der Projektarbeit und in der Organisation anzunehmen?

Christian Schmidt: Kommunikation ist ein wundervolles Thema, da es anschlussfähig ist an die vielfältigen Herausforderungen, die uns in den Projekten und im Leben umtreiben. Im Kern dreht es sich immer um die Frage, nach den eigenen und anderen Wirklichkeiten, was wir verstehen können und wollen und was nicht und wie ein gemeinsames Verstehen gelingen kann. Meist fehlen uns Zeit und Achtsamkeit sich bewusst mit der Frage nach der Bedeutung und Funktion von Kommunikation zu beschäftigen. Diesen Raum kann ein Modul über die Kommunikation ermöglichen und so ist es wohl weniger das Dozieren, was mich gereizt hat, als vielmehr die Möglichkeit zu erzählen und zugleich zu beraten.

Qualitätswerkstatt Modellprojekte: Welche Fallstricke begegnen Ihnen in der Praxis häufig, wenn es sich um Kommunikation im Projektteam oder in der Organisation handelt? Was ist Ihrer Meinung nach ein Klassiker?

Christian Schmidt: Egal, ob es um Entwicklung, Veränderung oder Krisen in Projektteams oder Organisationen geht, immer findet sich ein Fallstrick, der gespannt wird zwischen dem Wunsch danach verstanden zu werden und der unumstößlichen Überzeugung, dass es eine objektive Wahrheit gibt, die ein jeder verstehen kann und muss. Und so rennen und hasten wir durch die Organisationen, fragen die anderen danach ob wir verstanden wurden und uns selbst, was wir wohl tun können um verstanden zu werden. Wir trainieren, vermitteln, entwickeln Kommunikationsstrategien und versuchen den Neuen im Team unsere Welt zu erklären und vergessen dabei die simple Tatsache, dass ein gemeinsames Verstehen nur dann gelingen kann, wenn wir nicht danach fragen, ob wir verstanden wurden, sondern danach fragen, was verstanden wurde. Obwohl mit wachsender Komplexität auch die Bedeutung von Kommunikation in den Organisationen zunehmend an Bedeutung gewinnt (manchmal schlicht, weil es nicht anders geht) finden sich immer häufiger Ansätze, die auf eine „Optimierung der Kommunikation“ gerichtet sind. Dabei geht es fast immer um die Vereinfachung von Kommunikation im Sinne einer Optimierung der gegenseitigen Informationsübermittlung. Oder anders: Es geht um eine Art des „Kommunikationstaylorismus“. Wirkliche Veränderung und profunde Innovation kann jedoch nur dann gelingen, wenn wir auch in den Arenen, Schnittstellen und Feldern der Kommunikation in der Organisation einen bewussten Austausch über das Verstehen von Organisationen schaffen: Hier liegen die Lösungen, Innovationen und Potenziale für Entwicklung und Verständnis.

Qualitätswerkstatt Modellprojekte: Das Thema Kommunikation ist sehr umfangreich. Über welchen Erkenntnisgewinn würden Sie sich freuen, den die Teilnehmenden aus Ihrem Fortbildungsmodul vor allem in ihren Projektalltag mitnehmen?

Christian Schmidt: Beobachten wir Organisationen, dann sind sie zum einen immer nur begrenzt verstehbare Selbstorganisation: Der alltägliche Austausch, die Schaffung von informellen und gelebten Regeln, das Geben und Nehmen, die Regulation oder anders: Organisation erscheint als etwas, was wir als Chaos oder Kultur beschreiben. Zum anderen ist Organisation aber auch eine Idee der Objektivierung, die sich in Organigrammen, Funktions- und Prozessbeschreibungen oder Hierarchien wiederfindet. Unser Alltag in den Projekten ist beides und zwar zugleich und das macht Kommunikation zu einer echten Herausforderung. Ich würde mich freuen, wenn es den Teilnehmern im Alltag gelingt, zu Beobachtern ihrer eigenen Organisation zu werden und aus dem Dilemma der Gleichzeitigkeit von gelebtem Chaos und erdachter Ordnung eine Möglichkeit der Gestaltung machen.

Qualitätswerkstatt Modellprojekte: Was sollten Projektverantwortliche unbedingt mitbringen, um eine „Gelingende Kommunikation in der Projektarbeit“ herbeiführen zu können?

Christian Schmidt: Augenzwinkernd sollte sie oder er unbedingt ein hohes Maß an Frustrationstoleranz mitbringen, denn Kommunikation in der Projektarbeit heißt häufig ja nichts anderes, als geprügelter Wandler zwischen den Welten des lebendigen Chaos und den Anforderungen der erdachten Ordnung und Anforderungen zu sein. Aber genau hier ist auch einer der wichtigsten Plätze in der Organisation, denn Führung heißt im Kern nichts anderes als zwischen den relevanten und nicht relevanten Dingen zu entscheiden und all die widersprüchlichen Anforderungen und Erwartungen an Organisation miteinander zu verbinden, um die eigentliche Leistung einer Organisation überhaupt möglich zu machen. Führung findet im Alltag niemals oben, sondern immer mittendrin statt und gelungene Kommunikation erfordert die Fähigkeit situativ Räume zu schaffen, in denen ein gemeinsames Verstehen der Organisation möglich werden kann. Für die oder den Verantwortlichen im Projekt heißt dies zuvorderst Widersprüchlichkeiten zulassen zu können und sich von dem Bedürfnis nach Eindeutigkeit zu verabschieden.

Qualitätswerkstatt Modellprojekte: Herzlichen Dank für das Gespräch!